Die Anforderungen an moderne Milchviehbetriebe steigen stetig. Stallhygiene, Ammoniakemissionen, Tiergesundheit und nachhaltige Landwirtschaft spielen eine immer größere Rolle. Gleichzeitig suchen Milchviehhalter nach Lösungen, die praktisch anwendbar sind und langfristig wirtschaftliche Vorteile bieten.
Eine Entwicklung, die dabei zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist der Einsatz von Biochar in Einstreu- und Güllesystemen.
Doch welchen tatsächlichen Nutzen kann Biochar (Pflanzenkohle) bieten? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen bereits vor? Und welche Chancen ergeben sich daraus für die Milchviehhaltung?
Um diese Fragen besser zu verstehen, haben wir mit Prof. Dr. Daniel Kray, Professor an der Hochschule Offenburg und Experte für Biochar, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Energiesysteme, gesprochen.

Biochar gewinnt in der Landwirtschaft an Bedeutung
Laut Prof. Dr. Kray zeigen aktuelle Studien aus der Geflügel- und Milchviehhaltung, dass die Zugabe von etwa 5–10 % Biochar zu Einstreu oder Gülle die Luftqualität im Stall verbessern kann.
„Biochar kann Ammoniak und bestimmte Gerüche reduzieren und gleichzeitig zu einer besseren Stickstoffbindung beitragen“, erklärt Kray.
Besonders die Kombination aus Feuchtigkeitsmanagement, Emissionsminderung und einer möglichen Verbesserung der Güllequalität macht Biochar interessant.
Im Vergleich zu traditionellen Einstreumaterialien wie Stroh oder Sägemehl besitzt Biochar einige besondere Eigenschaften:
- hohe Porosität
- große innere Oberfläche
- hohe Reaktivität
- langfristige Stabilität
Dadurch kann Biochar Feuchtigkeit und Nährstoffe besser speichern und möglicherweise auch die Bodenqualität positiv beeinflussen.
Bessere Luftqualität und ein trockeneres Stallklima
Ein wichtiger Vorteil von Biochar liegt laut Kray in seiner porösen Struktur.
Sie hilft dabei,
- Feuchtigkeit zu binden,
- Ammoniak zu speichern,
- die Belüftung der Einstreu zu verbessern.
Dadurch können Geruchs- und Emissionsprobleme reduziert werden.
„Der Einsatz von Biochar in Einstreusystemen und als Güllezusatz erscheint vielversprechend, um die Luftqualität zu verbessern und Emissionen zu reduzieren“, so Professor Kray.
Gleichzeitig betont er, dass noch nicht alle Effekte vollständig erforscht sind. Während bestimmte mastitisverursachende Bakterien zurückgedrängt werden können, verändern sich auch andere mikrobielle Strukturen innerhalb der Einstreu.
Die Forschung befindet sich daher noch in einem relativ frühen Stadium, insbesondere im Hinblick auf Langzeiteffekte und optimale Rezepturen.
Kombination aus Fasern, Kalk und Biochar
Besonders interessant wird es, wenn Biochar mit anderen Materialien kombiniert wird.
Laut Kray zeigen Studien, dass ein Anteil von etwa 5–10 % Biochar in Kombination mit faserreichen Materialien wie Stroh oder Sägemehl praxisnah eingesetzt werden kann.
Dies kann beitragen zu:
- besserem Feuchtigkeitsmanagement,
- geringerer Geruchsbelastung,
- niedrigeren Ammoniakemissionen,
- einer verbesserten mikrobiellen Pufferung.
Auch die Kombination mit Kalk hält Kray für vielversprechend, obwohl hierzu bislang nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen.
„Echte dreifache Synergien zwischen Fasern, Kalk und Biochar wurden bisher kaum untersucht“, erklärt Kray.
Für Hersteller innovativer Einstreusysteme eröffnet dies interessante Perspektiven für zukünftige Entwicklungen im Bereich Stallhygiene und Kreislaufwirtschaft.
Die richtige Anwendung entscheidet über den Erfolg
Wie bei vielen Stallprodukten hängt die Wirksamkeit stark von der praktischen Anwendung ab.
Laut Prof. Dr. Kray sind insbesondere folgende Faktoren entscheidend:
- die richtige Dosierung,
- ausreichende Feuchtigkeit,
- eine gründliche Durchmischung.
Als praktische Orientierung empfiehlt er derzeit einen Anteil von etwa 5–10 % Biochar.
Zu geringe Dosierungen, ungeeignete Korngrößen oder eine unzureichende Vermischung gehören seiner Ansicht nach zu den häufigsten Fehlern in der Praxis.
Erste Effekte, wie weniger Geruch oder eine geringere Ammoniakbildung, können bereits innerhalb der ersten Woche sichtbar werden. Veränderungen im mikrobiellen Gleichgewicht zeigen sich häufig erst nach mehreren Wochen.
Darüber hinaus ist es wichtig, Staubbildung zu vermeiden.
„Biochar sollte ausreichend feucht sein – idealerweise mit einem Feuchtigkeitsgehalt von mindestens 20 % –, um schädliche Kohlenstoffpartikel in der Luft zu vermeiden“, so Kray.
Außerdem empfiehlt er die Verwendung hochwertiger und zertifizierter Produkte, beispielsweise mit einer EBC-Zertifizierung.
Das zweite Leben: Mehrwert für Boden und Kreislaufwirtschaft
Ein großer Vorteil von Biochar endet nicht im Stall.
Nach der Nutzung kann die mit Nährstoffen angereicherte Biochar über die Gülle auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht werden.
Laut wissenschaftlicher Literatur kann dies beitragen zu:
- Kohlenstoffspeicherung,
- Verbesserung der Bodenstruktur,
- höherer Wasserspeicherfähigkeit,
- besserer Nährstoffverfügbarkeit.
Damit fügt sich Biochar hervorragend in die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ein.
„Dieses zweite Leben von Biochar könnte künftig auch im Rahmen von CO?-Zertifizierungssystemen und nachhaltigen Landwirtschaftskonzepten eine wichtige Rolle spielen“, sagt Kray.
Noch keine Standardlösung – aber großes Potenzial
Obwohl Biochar in der Milchviehhaltung derzeit noch in der Entwicklungsphase steckt, sieht Prof. Dr. Kray für die kommenden Jahre deutliche Wachstumsperspektiven. Mit zunehmender Praxiserfahrung, weiterer Forschung und fortschreitender Produktentwicklung erwartet er, dass Biochar eine immer wichtigere Rolle in nachhaltigen und zirkulären Stallkonzepten spielen wird.
„Ich erwarte, dass immer mehr Milchviehhalter Biochar einsetzen und praxistaugliche Lösungen entwickeln werden.“
Laut Kray liegt die Stärke von Biochar insbesondere in der Verbindung von Emissionsminderung, Stallklima, Nährstofferhalt und Bodenverbesserung – Themen, die in der modernen Milchviehhaltung zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Praktischer Rat für Milchviehhalter
Abschließend gibt Prof. Dr. Kray einen klaren und praxisnahen Rat:
Milchviehhalter sollten klein anfangen und etwa 5–10 % Biochar zu bestehenden Einstreusystemen hinzufügen.
Insbesondere in Kombination mit Stroh oder Sägemehl, aber auch in Güllekanälen oder Güllelagerstätten, kann dies interessant sein.
„So können Landwirte Erfahrungen sammeln, ohne ihre bestehenden Arbeitsabläufe grundlegend zu verändern.“
Innovation mit Blick auf die Zukunft
Die Entwicklungen rund um Biochar zeigen, wie eng Stallhygiene, Emissionsminderung, Tiergesundheit und Bodenverbesserung zunehmend miteinander verbunden sind.
Bei Logispan B.V. sind wir überzeugt, dass innovative Kombinationen aus Fasern, Kalk und Biochar künftig eine wichtige Rolle in der Milchviehhaltung spielen werden.
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